Sachsenflug 1927
Die Strecke im „Sachsenflug 1927".
Nachdem in den Tagen vom 31. August bis 3. September d. J. die teilnehmenden Flugzeuge an dem mit Genehmigung des Deutschen Luftrates von der Sachsengntppe des D. L. V. veranstalteten „Sachsenflug 1927" in allen technischen Einzelheiten geprüft worden sind, sollen sie in einem Streckenflug ihre Betriebssicherheit und Zuverlässigkeit unter Beweis stellen.
Der Streckenflug beginnt am Sonntag, den 4. Sept., 7 Uhr vormittags, auf dem Flugplatze Leipzig-Mockau und führt alle Flugzeuge zunächst ostwärts über die Wendemarken Grimma, Leisnig und Döbeln, welche in einer Linkskurve umrundet werden müssen, nach Großenhain, wo die erste Zwangslandung mit anschließender Zwangspause von 15 Minuten stattfindet. Von Großenhain aus geht es mit Kurs OSO zur sächsischen Lausitz nach dem 60 km entfernten Bautzen, wo die Flugzeuge abermals landen und eine Pause von 15 Minuten macheu müssen. Von Bautzen geht es über die Wendemarke Bischofswerda nach Dresden
Der mißglückte Sachsenflug.
Es ist so gekommen, wie wir es in Nr. 2 vom 20. Januar voraus-
sagten: „Die Wettbewerber werden kaum auf ihre Kosten kommen
bis auf einen Flugzeugtyp, welcher von vornherein mit großen Chancen
an den Wettbewerb tritt." - Nur zwei Wettbewerber haben die Aus-
schreibung studiert und gerechnet. Das waren Messerschmitt und
Martens. Wer von einem Schnippchenschlagen spricht, kennt die Ent-
wicklungsmöglichkeiten des Leichtflugzeuges nicht. Im Wettbewerb
waren nur zwei Leichtflugzeuge vertreten, und das waren die beiden
Genannten. Die anderen gehören alle in die Klasse Kleinflugzeuge,
und das haben die Veranstalter noch nicht erfaßt.
Die Ueberschriften in den Tageszeitungen: „Zwanzig Leichtflug-
zeuge am Start" sind -daher irreführend. Treffend sind hingegen die
Ueberschriften: „Die Motorenfrage wurde in keiner Weise gelöst."
Hoffentlich hört jetzt die Flugveranstaltungsmeierei auf. Hiermit soll
nicht gesagt sein, daß die Organisatoren des Sachsenfluges nicht
mustergültig und fleißig gearbeitet haben. Es muß aber gesagt werden,
daß man endlich versuchen soll, sich in die Entwicklungsmöglichkei-
ten des Leichtflugzeuges, wie dieses an dieser Stelle zum Ueberdruβ
skizziert worden ist, zu vertiefen. Daß man es nicht getan hat, hat
die Wertungsformel bewiesen!
Ergebnisse des Sachsenfluges.
Auf dem Flugplatz Leipzig-Mockau hatten von 28 eingefundenen
20 Flugzeuge sich technischen Prüfungen, wie Höhenflug, Messung der
Startstrecke, Messung der Geschwindigkeit usw. unterworfen. Der
Wettbewerb wurde bereits am 1. September, am Abwiegetag, ent-
schieden. Der Messerschmitt-Apparat hatte ein Leergewicht von
142 kg und ein Fluggewicht von 345,5 kg, mithin eine Zuladung von
200 kg.  Er hatte hiermit bereits den Wert „unendlich" erreicht. Es
war daher natürlich, daß die Eingeweihten nicht überrascht waren, daß
die Messerschmittflieger trotzdem sich noch den Luxus einer Höhe
von 50 m erlaubten. Die Leistungen in der Demontage und Montage-
Prüfung waren kläglich, die Zeiten wollen wir besser verschweigen.
Das Intermezzo, Sperrung gleichfalls, die Tageszeitungen haben sich
bereits daran gelabt.  Das Ergebnis des Fluges:






















Die Reihenfolge wurde festgestellt als Ergebnis aus den technischen Leistungs-
prüfungen (Höchstgeschwindigkeit, Leergewicht, Zuladung, Bausicherheit und
Gipfelhöhe) und aus dem Streckenfluge; sie konnte also auch erst nach Beendi-
gung des Streckenfluges vorläufig festgelegt werden. Eine Ausnahme machten
lediglich die beiden Messerschmltt-Flugzeuge Wettbewerbsnummer 3 und 4, die
bereits nach Erledigung ihrer Geschwindigkeitsprüfung durch ihre Wertung „Un-
endlich" unerreichbar an der Spitze lagen.
Die 60000 RM sind diesen ohne Neid zu lassen; das Verdienst,
gezeigt zu haben, in welcher Richtung die Entwicklung des Flugzeuges
sich bewegt, kann nicht hoch genug bewertet werden. Es ist eine
Ironie auf die Ausschreibung, welche eine solche Erkenntnis nicht be-
absichtigt hat.
Letzten Endes waren alle diese Vorgänge für die Rhöngeister
keine Ueberraschung. Es war nur eine Ueberraschung für diejenigen,
welche die Arbeiten in der Rhön nicht ernst genommen haben und die
Leitartikel im „Flugsport; "Wie muß das Leichtflugzeug der Zukunft
aussehen?", nicht gelesen haben.
Reihenfolge Wettbewerbs Nummer Wettbewerber Führer Flugzeugtyp Wertungszahl
1 4
2 3
3 24
4 18
5 20
6 17
7 19
8 21
9 22
10 28        
11 16        
12 26        
13 14        
14 27