LZ 130 "Graf Zeppelin"
Das neue deutsche  Luftschiff ,LZ 130 ,Graf Zeppelin
Am 14. September begaben sich Hunderte und aber Hunderte nach dem Gelände der Zeppelinwerft in Friedrichshafen, wo die Taufe und anschließend der erste Start des neuen deutschen Luft schiffes vor sich gehen sollte. Das Tor der Halle, in der das Luftschiff noch an den Laufkatzen vertäut war, war geöffnet. Das Luftschiff „schwamm", d. h., der Auftrieb seiner Traggase war gleich dem Gesamtschiffsgewicht. Es hielt sich also bereits schwebend selbst in der Luft und wurde nur noch durch einzelne Ballastsäcke be-schwert, um ein vorzeitiges Aufsteigen zu verhindern.
Kurz vor 7 Uhr marschierte in der Luftschiffhalle ein Spielmanns-zug der Hitler-Jugend auf, der vor dem mit dem Zeppelinschen Haus-wappen und den Flaggen der Zeppelin-Reederei ausgeschmückten Podium Aufstellung nahm. Bald erschienen auch die Werftarbeiter und die Besatzung des Luftschiffes sowie die Ehrengäste, darunter Graf von Brandenstein-Zeppelin, der Schwiegersohn des alten Grafen Zeppelin. Die Taufe nahm Dr. Eckener, der kürzlich erst seinen 70. Geburtstag in voller Rüstigkeit begehen konnte, selbst vor und wies in seiner Taufrede auf die Schwierigkeiten hin, unter denen das neue Luftschiff innerhalb 84 Monaten gebaut worden ist. Wenn jetzt das Schiff zu seiner ersten Fahrt aufsteige, dann müsse man, so be-tonte er, der Hoffnung Ausdruck geben, daß es die bedeutungsvollen Aufgaben, die ihm gestellt seien, auch erfülle. Nach monatelanger Unterbrechung müsse jetzt der Faden der Entwicklung der Luftschiff-fahrt wieder aufgenommen werden, denn der Luftschiffverkehr trete nunmehr in eine neue Entwicklungs-periode. Nach seiner Rede vollzog Dr. Eckener die Taufe mit flüssiger Luft und gab diesem schönen Schiff den Namen „Graf Zeppelin".
Unmittelbar im Anschluß an die Taufe begaben sich neben der neunundzwanzigköpfigen Besatzung die Mitglieder der Abnahme-kommission, darunter Oberst Breithaupt vom RLM, Ver-treter der DVL, Mitglieder der Werft und der Zeppelin-Reederei, In-genieure und Versuchstechniker, insgesamt 74, Mann ins Schiff.Dr. Eckener führte selbst die erste Probefahrt. 7,50 Uhr startete das Luftschiff und, nachdem es 100 m Höhe erreicht hatte, sprangen die Motoren an, um das mit dem Bug steigende Schiff auf Fahrt zu bringen. Nach etwa 9 Stunden erschien das Luftschiff, nachdem es über München und Nördlingen gekreuzt hatte, wieder über dem Bodensee und landete, von den Anwesenden begeistert empfangen, auf dem Werftgelände. Nach dieser ersten Werkstattfahrt wurden noch eine Reihe weiterer Fahrten angesetzt, die sich vor allem mit Versuchen der Triebwerks anlagen beschäftigten. Bekanntlich lagen die Motoren der bisherigen Luftschiffe, wie auch bei dem neuesten Typ, in Gondeln außerhalb des Schiffsrumpfes. Die Motoren trieben aber bisher nur Druckschrauben, und zwar vierflügelige Druck-schrauben an. Zum ersten Male wurden bei dem neuen Luftschiff „Graf Zeppelin" umgekehrt angeordnete Luftschrauben verwendet. Dievier Motoren treiben jetzt also Zugschraubenan! Des weiteren sind auch Versuche im Gange, statt der vierflügeligen jetzt auch dreiflügelige Luftschrauben zu verwenden. Während die vierflügeligen aus Holz und nicht einstellbar sind, bestehen die neuen dreiflügeligen Luftschrauben aus Ganzmetall und können überdies vor dem Flug am Boden eingestellt t werden. Die Umstellung des Triebwerkes auf Zugschrauben hat seinen Grund in Vorrichtungen, die zur Erhöhung der Sicherheit eingebaut wurden. Nachdem Amerika die versprochene Lieferung von Helium nicht einhielt, mußte wiederum - das Luftschiff war in der Zwischenzeit bereits umkonstruiert und teilweise verändert worden - auf Wasserstoffbetrieb zurückgegriffen werden. Bei der Landurig mußte nun früher, da das Luftschiff infolge des Triebstoffverbrauches während des Fluges leichter wird, Wasserstoff abgeblasen werden, am das Luftschiff zu Boden bringen zu können. Dies schloß aber, wie die tragische Hindenburg-Katastrophe gezeigt hat, eins große Ge-fahrenquelle in sich. Man entschloß sich daher, diese Gefahrenquelle dadurch auszuschalten, daß man aus den Abgasen der Triebwerke bis zu 80 Prozent Wasser niederschlägt, das als Ballast zum Aus-gleich des Gewichtes der verbrauchten Triebstoffmenge dient. Diese Ballastwasser-Gewinner-Anlage, die fast größer als das Triebwerk selbst ist, befindet sich mit in der Motor-Gondel und zwar infolge der Abkühlungs-Notwendigkeit am Vorderteil der Gondel, während das Triebwerk rückwärts liegt. Die Größe dieser Ballast-wasser-Gewinner-Anlage ermöglichte auch, daß die Form der Gondeln sich mehr dem Ideal des Stromlinienkörpers annähert. Aus Gründen._ des größtmöglichen Wirkungsgrades wurden daher die Luftschrauben als Zugschrauben vor den Motorengondeln angeordnet.
Die Motoren selbst -4 16zylindrige Daimler-Benz-Diesel-Motoren - haben je 800 PS Dauer- und etwa 1000 PS Höchstleistung. Sämtliche Motoren sind umsteuerbar (Die Motoren laufen mit 1400 U/min, die Laufschrauben sind 1:2 untersetzt und laufen mit 700 U/min.), ihre Kühler liegen am rückwärtigen Ende der Motoren-gondel. Zur Aufnahme des Betriebsstoffes (und auch des Ballast-wassere) sind 60 Leichtmetallbehälter von je 2,5 m3 Inhalt zu beiden Seiten des Laufganges angeordnet.
Das Luftschiff, das in der Reihe der hergestellten das 119. ist, trägt die Nr. LZ 130, da 11 Entwürfe nicht ausgeführt wurden. Der Schiffskörper ist nach den gleichen Plänen, wie sein Vorgänger LZ 129 „Hindenburg" entworfen und ausgeführt worden. Die nach-trägliche Umkonstruktion erfolgte hauptsächlich zum Zwecke einer weitgehenden Gewichtsersparnis mit Rücksicht auf die verminderte Tragfähigkeit der nach dem Brande des „Hindenburg" anberaumten Heliumfüllung. So wurden die ursprünglich vorgesehe-nen 72 Fahrgastplätze auf 40 herabgesetzt und die Besatzung um 5 auf 50 vermindert. Des weiteren wurde eine Ballastwasser-Gewinner-Anlage eingebaut, um das Abblasen des wertvollen Heliums zu ver-meiden. Diese Ballastwasser-Gewinner kommen nach der noch-maligen Umstellung auch dem Betrieb mit Wasserstoff zugute. (Siehe weiter oben.)
Im einzelnen zeigt der Aufbau des Luftschiffgerüstes die gleichen Merkmale wie beim LZ 129. Zwischen den 32eckigen Hauptringen liegen je zwei Hilfsringe. Der übliche dreieckige, unter den Passa-gierräumen rechteckige Kiel mit Laufsteg ermöglicht das Begehen des Luftschiffes in seiner ganzen Länge. Haupt-Baumaterial ist Dur-alumin für das Gerippe; die Spanndrähte, mit denen die von den Längs- uni Ringträgern gebildeten Felder versteift werden, sind aus Stahl. Die Bespannung besteht aus zelloniertem Baumwolletoff, der durch mehrere Lackanstriche wetterfest gemacht wurde.
Das Traggas wird in 16 einzelnen GaszeIlen mitgeführt, die aus einem von der Ballonabteilung des ZL in Berlin-Tempelhot nach einem besonderen' Verfahren hergestellten gasdichten Stoff ge-bildet werden. Diese GaszellQnhaut besteht aus einer äußeren Baum-wollage und einem inneren, sehr schmiegsamen elektrostatisch nicht aufladbarem Film („Buna"-ähnliches Erzeugnis). Jede der 16 von-einander unabhängigen Gaszellen hat ein Ueberdruck- und ein Steuer-Ventil, die in einem senkrechten gleichzeitig für die Entlüftung des Schiffsinneren dienenden Luftschacht münden.
Die Inneneinrichtung des Luftschiffes Die Führergondel besteht, wie beim LZ 129 aus drei Abteilungen, Steuer-stand, Kommandoraum und Funkbude. Ein zusätzlicher Hilfssteuer-stand befindet sich in der unteren Seitenflosse. Zur Stromerzeugung für die FT-Station, für die Beleuchtung des Schiffes und Heizung des Herdes der Bordküche wurden im Schiffsinneren noch 2 kleine voll-ständig gekapselte Diesel-Motoren-Einheiten von je 50 -PS eingebaut, deren Auspuffwärme von der Bordküche zusätzlich benutzt wird. Die Raumheizung erfolgt mit elektrisch gewärmtem Wasser. Auch be-sitzen alle Räume eine Lufterneuerungsanlage. Aus Gründen der Ge-wichtsersparnis sind zahlreiche Einbauten, wie Wasserleitungsrohre, Waschbecken usw. aus Kunststoffen hergestellt. Alle für die Schiffs-führung erforderlichen Einrichtungen und Geräte sind in der unter dem Bug angeordneten Führergondel vereinigt. Maschinentelegraphen und Fernsprecher verbinden Kommandostand mit den Motorengondeln und anderen wichtigen Positionen im Schiffskörper
Eine voll -automatische Kurssteuerung ist gleichfalls vorhanden.

Alle für die Schiffsführung erforderlichen Einrichtungen und Ge-räte sind in der unter dem Bug angeordneten Führergondel vereinigt. Hier befinden sich die Höhen- und Seitensteueratände, die auch elek-trisch betätigt werden können; es ist vollautomatische Kurssteuerung eingebaut. Ferner sind hier Schalttafeln für Gas und Ballast. Maschi-nentelegraphen und Fernsprecher verbinden die Führung mit den einzelnen Motorengondeln und anderen Schiffsteilen. Für die Navi-gation dienen Kreisel- und Magnetkompasse, Peilgeräte, Höhenmesser und Echolot. Geschwindigkeit, Motoren-Drehzahl und Füllung der Gas-zellen werden durch besondere Meßgeräte angezeigt. Die über der Führergondel liegende Funkstation ist für lange und kurze Wellen sowie für Sprechverkehr eingerichtet. Ein besonderes Peilgerät dient zum Richtempfang.
Die Fahrgasträume sind wie beim LZ 1B9 quer durch den Schiffskörper eingebaut, jedoch diesmal in einstöckiger Ausführung. Von den 20 zweibettigen, auch als Einzelbettkammern benutzbaren Schlafkabinen mit kaltem und warmem fließenden Wasser sind 4 da-von Luxuskabinen mit Aussichtsfenstern auf der Steuerbordeeite. Acht Kabinen wurden mit Lichtschächten versehen, die übrigen Kabinen haben kein Tageslicht. Der Speiseraum ist jetzt hinter den Kabinen angeordnet, in unmittelbarer Verbindung mit zwei seitlichen Aufent-haltsräumen mit großen Aussichtsfenstern. Vorn befindet sich auf der Backbordseite ein Raucherabteil ohne besondere Schutz-maßnahmen. So läßt die Anordnung der Räume deutlich die Form eines Hufeisens erkennen. Sind sie auch in ihrer Gesamtheit kleiner, als beim „Hindenburg", so stehen sie doch hinter diesem hinsichtlich der Bequemlichkeit nicht zurück. Im Gegensatz zu den früheren Luft-schiffen sind diesmal die Kabinen nicht mehr numeriert, sondern tragen die Namen deutscher Städte. Ein diesbezügliches Stadtbild befindet sich an jeder Kabinentür. Auch ist jede Kabine in einem anderen Farbton gehalten, um eine gewisse Abwechslung zu erzielen. Die Wände sind auch diesmal wieder mit Gemälden ge-schmückt, die hinsichtlch ihrer Ausführung etwas Besonderes dar-stellen. Sie wurden nämlich nach einem von Professor Arpke-Berlin erfundenen Verfahren direkt auf die Wandbespannung gespritzt! Selbst-verständlich ist auch eine elektrische Küche vorhanden, die backbord angeordnet ist und etwas tiefer liegt als die auf gleicher Höhe des Speiseraumes befindliche Anrichte. Der Fallreep-Ausgang befindet sich steuerbords beim Ausgang des Aufenthaltsraumes. Unter den Räumen für die Passagiere wohnt die Schiffsbesatzung in zweibettigen Kam-mern; der Besatzung stehen außerdem zwei wohnlich eingerichtete Meßräume (Offiziers- und Mannschafts-Messe) zur Verfügung. Seitlich des Kielaufganges, an dem die Kammern für die Besatzung liegen, befinden sich auch an geeigneten Stellen die Post, und Frachträume, die Nutz- und Ballast-Wasserbehälter sowie auch kleine Ersatzteil-und Werkzeuglager.
Daten des Luftschiffes „Graf Zeppelin": Länge 245 m, größter Durchmesser 41,2 m, Schlankheitsverhältnis 1:6. Prall-gasinhalt 200 000 ms, Auftrieb mit Wasserstoff 225 t (mit Holium 200 t). Leergewicht 110 t, Zuladung 19 t, Höchstgeschwindigkeit 135 km/st, Reisegeschwindigkeit 125 km/st